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Silence – der andere Advent

Ein Klangbild aus dem Augustinerkloster Erfurt

Die Adventszeit einmal anders erleben – dies ermöglicht die Installation SILENCE im Augustinerkloster zu Erfurt. Das Klangbild ist ein Ruhepol im hektischen Vorweihnachtsrummel und lädt Besuche­rinnen und Besucher der Augustinerkirche dazu ein, sich zurück­zulehnen und die Bilder und Klänge des Klosters und seiner Umgebung in unge­ahnter Intensität auf sich wirken zu lassen.

 

WANN:  27.11. bis 31.12.2021 jeweils Mittwoch bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr

WO: Augustinerkirche Erfurt, Augustinerstraße 10, 99084 Erfurt.

Der Eintritt ist frei, es gelten die aktuellen Hygienebestimmungen.

 

Projektumfang

  • Künstlerische Konzeption
  • Aufführungskonzeption
  • Foto- und Tonaufnahmen
  • Komposition
  • Technische Planung und Umsetzung
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Kooperation mit lokalen Akteuren

Kuration + Produktion

  • GENIUS LOCI, Weimar

Veranstalter

  • Augustinerkkloster zu Erfurt

Kontemplative Entdeckungsreise

Die leuchtenden Farben der Bleiglasfenster, die steinernen Reliefs der Fensterbögen, Details von Ornamenten, Figuren und Orgelpfeifen – all das lässt sich im Klangbild SILENCE entdecken. Denn eine Entdeckungsreise ist SILENCE allemal, da Fotograf Peter Hölscher seine Bilder sanft ineinanderfließen lässt, so dass sie sich ständig verändern, immer wieder neue Details offenbaren und scheinbar in Bewegung gera­ten. Die extreme Langsamkeit dieses Liquid Image lässt den Betrachter zur Ruhe kommen, verändert die Wahrnehmung der mittelalterlichen Klosterkirche und lenkt den Blick kontemplativ nach innen. Verstärkt wird diese Wirkung durch die Klang­komposition von Ronald Gaube, die den Bildern eine emotionale Wahrnehmungs­ebene hinzufügt. Sein feinfühliges Soundscape vermischt Chorgesänge, Orgeltöne und Glockenklänge mit tonalen Events aus Field Recordings und versetzt die Besu­cherinnen und Besucher in eine andere Welt – in einen anderen Advent.

Sinnlicher Stadtspaziergang

Während ihres Besuchs im September machten die beiden Künstler tausende von Fotografien und viele Stunden Tonaufnahmen in der Erfurter Altstadt, aus denen sie das Klangbild komponierten. So ist SILENCE nicht nur ein Porträt des Augustinerklos­ters, sondern zugleich ein sinnlicher Spaziergang über Plätze und Gassen zu anderen bedeutenden Bauwerken der Stadt, wie etwa der Predigerkirche, dem Dom und der Barfüßerkirche. „Jedes unserer Werke entsteht aus Bildern und Klängen eines spezi­ellen Ortes, an den es dann als Installation zurückkehrt, um eine Beziehung mit diesem Ort und seinen Menschen einzugehen“, erläutert Peter Hölscher. „Mit SILENCE werden die Erfurter ihre Stadt ganz anders wahrnehmen.“

Mehrfacher Besuch lohnt sich

Das 30-minütige Klangbild folgt einer festen Dramaturgie, in der Bilder und Klänge aufeinander reagieren. Es wird im Loop, also mehrmals hintereinander abgespielt, wobei es zwei verschiedene Soundtracks gibt, die abwechselnd zu hören sind. Die Besucherinnen und Besucher können also jederzeit in die Kirche kommen und die Installation auch mehrfach erle­ben. „Es lohnt sich, SILENCE öfter anzuschauen und anzuhören, auch an verschie­de­nen Tagen“, empfiehlt Ronald Gaube. „Jedes Mal werden Sie wieder etwas anderes wahrnehmen, je nachdem wo Sie sich in der Kirche befinden, oder was Sie an diesem Tag erlebt haben und in welcher Stimmung Sie sind.“ Die Bilder von SILENCE werden auch die jeweilige 18-Uhr-Andacht begleiten. Augustinerpfarrer Bernd S. Prigge: „Wir möchten die Menschen dazu einladen, bei uns einzukehren, einen stillen Moment der Besinnung zu erleben und vielleicht eine Kerze anzuzünden. Diese Installation ist eine wunderbare Begleitung auf dem Weg zur inneren Ruhe.“

270-Grad-Projektion mit Soundeffekten

SILENCE erfüllt den gesamten Chorraum der Augustinerkirche. Mit einer speziellen Mapping-Software werden die Bilder passgenau auf die Wände projiziert. Drei Hoch­leistungsbeamer auf der Empore ermöglichen die 270-Grad-Projektion. Die Chorfenster werden in die Installation integriert und interagieren mit dem Klangbild. Klänge und Soundeffekte werden über eine Soundanlage einge­spielt. Die gesamte Installation wird über einen Medienserver ferngesteuert. Für die Kuration und Produktion zeichnet Hendrik Wendler vom Thüringer Video- und Projek­tionskunstfestival GENIUS LOCI verantwortlich, welches mit den Area Composern schon mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Aufbau und Inhalte von SILENCE

Dauer: 30 Minuten, zwei unterschiedliche Soundtracks wechseln sich ab

 SILENCE vereint Bilder und Klänge aus Erfurt und dem Augustinerkloster. Die Komposition folgt einer festen Dramaturgie mit 5 Stationen. Sie ist als fließendes Triptychon aufgebaut, in dessen Zentrum die mittelalterlichen Chorfenster der Augustinerkirche stehen.

  1. ANKUNFT: Glockenklänge rufen die Besucher herbei. Die Ankommenden tragen die Geräusche der Stadt noch mit sich, während sie in ein Meer aus Orgelpfeifen eintauchen, die sich nach und nach mit den steinernen Fensterbögen der verschiedenen Erfurter Kirchen vermischen. Die vertikalen Strukturen der Orgelpfeifen und Fenster nehmen die Höhe der Kirche auf und lenken den Blick nach oben. Das tonale Hauptmotiv wird erstmals angestimmt und von der Orgel aufgenommen.

  2. REISE DURCH RAUM UND ZEIT: Der Weg führt hinaus vor das Kloster und in die Stadt, durch enge Gassen und weite Plätze zu den markantesten Bauwerken, wie Rathaus und Dom. Der Blick wandert von links nach rechts und wieder zurück, man gewinnt den Eindruck, die Gebäude würden sich an den gegenüberliegenden Kirchenwänden spiegeln – ein Wechsel von Spannung und Ruhe, Hell und Dunkel, scheinbar Tag und Nacht. Chorstimmen und Orgelklänge versetzen die Besucher in die mittelalterliche Zeit Luthers; Akzente aus Field-Recordings (Original-Tonaufnahmen aus Erfurt) holen sie wieder zurück ins Hier und Jetzt.

  3. WEG ZUR INNEREN RUHE: Zurück im Kirchenraum lassen sich verschiedene Details von Skulpturen, Gemälden und Schriftrollen aus dem Kloster und aus anderen Kirchen entdecken. Sie manifestieren sich aus den Mauerstrukturen und wirken wie Erscheinungen oder zufällige Besucher. Dabei wird das Spiel des Triptychon besonders deutlich: Die Bilder der linken Wand scheinen die Geschehnisse auf der rechten Wand zu kommentieren. Chorstimmen im authentische Kirchenraumklang lassen die Zuhörerinnen und Zuhörer immer mehr zur Ruhe kommen, bis schließlich eine beschwingte Melodie von Flöte und Orgel ein Fest einzuläuten scheint.

  4. ZWISCHEN TRAUM UND WIRKLICHKEIT: Das Farbenspiel der Buntglasfenster aus der Augustinerkirche erfüllt den gesamten Chorraum. Konkrete Details verschwimmen zu abstrakten Strukturen und beflügeln die Phantasie. In übergroßer Darstellung offenbaren die Fenster nie zuvor gesehene Details und erzählen uralte Geschichten. Der Sound versetzt die Besucherinnen und Besucher in eine mystische, phantastische Welt. Variationen der Instrumentierung verändern die Wahrnehmung. Ist dies nur ein Traumgebilde oder Wirklichkeit?

  5. ADVENTLICHER AUSKLANG: Die Vielfalt der Farben mäandert nach und nach in einen festlichen Glanz aus Details von Fenstern und Kronleuchtern. Die adventliche Stimmung wird durch den Schein von Kerzen verstärkt, ein Glockenspiel nimmt das tonale Hauptmotiv auf. Alltagsgeräusche holen die Besucher wieder zurück und stimmen sie auf den Abschied aus der Kirche ein. Die leise Melodie wird sie bis nach Hause begleiten. Orgelpfeifen leiten den Loop ein, die Reise beginnt von Neuem.